23.03.2026 Gedenkfeier „Erziehungslager Heddernheim“
Mein Vorwort wirft allgemeine Fragen zu “ Nie wieder Krieg“ auf.
Das Gedenken an das Arbeitserziehungslager Heddernheim, der Appell „Nie wieder Krieg“, die Realität von Waffenindustrie und Wehretats sowie der Wunsch der Menschen nach Frieden – stehen in einem tiefen, oft schmerzhaften Spannungsverhältnis. Dies ist ein zentraler Konflikt in der modernen deutschen Erinnerungskultur und Politik.
Hier sind die Hintergründe zu meinen Fragen:
1. Gedenkfeier Arbeitserziehungslager Heddernheim & Erinnerungskultur
- Gedenken als Mahnung: Die Gedenkstätte am Oberschelder Weg (ehemaliges AEL Heddernheim) erinnert an Zwangsarbeit, Mord und Folter während der NS-Zeit. Die Gedenkfeiern (z.B. im März 2025 mit Schülern der Ernst-Reuter-Schule II) dienen dazu, dieses Wissen lebendig zu halten und die Verantwortung aus der Geschichte zu betonen.
- Wandel des Gedenkens: Das Motto „Nie wieder Krieg“ ist eine direkte Lehre aus dem Zweiten Weltkrieg, der von Deutschland ausging. Die Erinnerungskultur betont, dass Wissen über diese Taten für den aktuellen politischen Diskurs relevant ist, um ähnliche Entwicklungen zu verhindern.
- 2. Vereinbarkeit von Gedenken, Kriegen und Waffenindustrie
- Der Widerspruch: Die Diskrepanz zwischen dem Gedenken („Nie wieder“) und der Tatsache, dass Deutschland zu den Top-Waffenexporteuren zählt (Platz 4 weltweit), wird oft als Widerspruch empfunden. Mir geht es so, weil meine Eltern und mein Opa sogar zwei Kriege erlebt haben.
- Sicherheitspolitische Argumentation: Politiker rechtfertigen Waffenexporte und hohe Wehretats oft mit der Sicherung des Friedens durch Stärke (Abschreckung), der Erfüllung von NATO-Verpflichtungen und der Unterstützung von Bündnispartnern. Man spricht davon, daß der höchste Posten einer jede Volkswirtschaft der Wehretat ist. Das Geld könnte besser genutzt werden aus meiner Sicht!
- Wirtschaftliche Aspekte: Die Rüstungsindustrie ist ein Wirtschaftsfaktor, der Arbeitsplätze schafft und durch technologische Forschung zur volkswirtschaftlichen Entwicklung beitragen kann, was oft als Rüstungs-Boom in Zeiten geopolitischer Unsicherheit bezeichnet wird. Oft werden die technischen Fortschritte gegen Menschen und nicht für den Menschen eingesetzt.
- 3. Warum ist der Wehretat so hoch?
- Geopolitische Lage: Nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine haben viele Staaten, einschließlich Deutschland, ihre Verteidigungsausgaben massiv erhöht. Das Ziel ist oft die Erreichung der NATO-Vorgabe von 2% des Bruttoinlandsprodukts (ca. 86 Mrd. Euro jährlich für Deutschland).
- Erhöhte Bedrohungslage: Viele Politiker sehen die Notwendigkeit, sich gegen Aggressoren zu verteidigen und die Bündnisfähigkeit zu gewährleisten. Diese Ansicht kann ich mit meinem Gewissen nicht teilen. Mütter gebären keine Kinder, damit sie im Krieg sterben!
4. „Wenn keiner hingeht, haben wir keinen Krieg“
- Das Dilemma: Dieser berühmte Satz (oft Brecht zugeschrieben) beschreibt das pazifistische Ideal. In der Realität, so die politikwissenschaftliche Sicht, führen jedoch völkerrechtliche Angriffe oder der Drang nach Macht/Ressourcen zu Kriegen, auch wenn die Bevölkerung keinen Krieg will.
- Verteidigungsstrategie: Politiker engagieren sich für Verteidigungsstrategien, da sie die Verantwortung für den Schutz des Staates und seiner Bürger sehen, besonders in einer Situation, in der man sich nicht mehr voll auf externe Schutzmächte (wie die USA) verlassen will.
- Die Verantwortung von Politiker bezweifele ich sehr. Sie tragen überhaupt keine Verantwortung für die Dinge die sie entscheiden!
Zusammenfassend:
Die Erinnerungskultur (Heddernheim) ist ein ethischer Kompass („nie wieder“), während die Sicherheitspolitik auf der Einschätzung von Gefahren im Hier und Jetzt basiert. Der Widerspruch, dass trotz des Wunsches nach Frieden (von Bürgern und Müttern) Aufrüstung stattfindet, ist eine der zentralen, ungelösten Debatten unserer Zeit.

Katja Klenner, Ortsvorsteherin OBR 8 (‚Der OBR 8 ist der Initiator dieser Gedenkfeier jährlich)
n Frankfurt-Heddernheim finden regelmäßig im März Gedenkveranstaltungen zum ehemaligen Arbeitserziehungslager (AEL) Heddernheim statt, da sich in diesem Monat die Befreiung des Lagers (März 1945) jährt
Der Gedenkort
Die Gedenkstätte in Heddernheim zeichnet sich durch künstlerische Elemente aus, die im Rahmen von „Kunst im öffentlichen Raum“ entstanden sind:
Informationstafeln: Ein Textband und Tafeln informieren vor Ort über die unmenschlichen Bedingungen, unter denen die Häftlinge Zwangsarbeit leisten mussten.
Die Pyramide: Ein zentrales Mahnmal an der Gedenkstätte.
Hintergrund zum Lager
Das AEL Heddernheim wurde 1942 von der Frankfurter Gestapo errichtet. Es diente der Disziplinierung von „arbeitsunwilligen“ Zwangsarbeitern und politisch Verfolgten. Die Haftbedingungen waren oft tödlich; heute ist der Ort ein fester Bestandteil der Frankfurter Erinnerungslandschaft.
