Das Jahr im Ortsbeirat 8
Vorsteherin Katja Klenner über die Europäische Schule und den Stadtteil der Quartiere / Von Pia Henderkes-Loeckle – Frankfurter Rundschau – Nachstehender Beitrag ist von heddernheim.de https://heddernheim.de/das-jahr-im-ortsbeirat-8-2/
In einer Serie blicken wir zurück auf das Jahr 2025 in den 16 Frankfurter Ortsbeiräten. Was waren die wichtigsten Themen, die den Ortsbezirk in den vergangenen Monaten bewegt und beschäftigt haben? Welche Erfolge oder Niederlagen gab es für das Stadtteilparlament? Wie geht es jetzt im neuen Jahr weiter? Heute der Ortsbeirat 8 (Heddernheim, Niederursel, Nordweststadt).
Frau Klenner, der Ortsbeirat 8 lehnt mehrheitlich den „Stadtteil der Quartiere“ ab. Dieser wurde jedoch von den Stadtverordneten mit großer Mehrheit beschlossen, eine kleinere Variante ohne „Neu-Weststadt“ wurde dagegen abgelehnt. Mit welchen Problemen sieht sich der Ortsbeirat dadurch konfrontiert?
Durch die Entscheidung im Römer wird in unserem Bezirk in einigen Jahren ein 100 Hektar großes Areal versiegelt, das derzeit intensiv für Landwirtschaft und Naherholung genutzt wird. Außerdem erfüllt dieses Gebiet wichtige Klimafunktionen für die gesamte Stadt. Kommt das Lachgrabenquartier wie geplant, wird dort keine Kaltluft mehr entstehen. Auch die Böden westlich der Autobahn sollen zu einem „Freizeitraum“ umgestaltet werden und gehen, so wie sie jetzt sind, verloren. Bei den kommenden Verfahren für die Bebauungspläne werden wir uns intensiv für die Belange der bereits vorhandenen Stadtteile einsetzen.
Ich, Karlheinz Grabmann, bin seit mehr als 8 Jahren gegen eine Bebauung. 2025 habe ich die Verantwortlichen der Stadt dreimal angeschrieben als Appell, gleiches einmal an die Regionalversammlung Südhessen und jeweils die Frankfurter Medien informiert. Alle Argumente gegen Bauen wurden einfach ignoriert.
Hier auf meiner Webseite finden Sie alle Argumente auch von BUND und Heimatboden, Frankfurt.
Bisher gibt es noch keinen neuen Standort für die Europäische Schule Frankfurt (ESF), die Stadt plant eine vorläufige Erweiterung auf die Felder westlich des Praunheimer Wegs. Die Grünen im Ortsbeirat plädieren schon seit Jahren für den Verbleib der ESF und eine Erweiterung auf das westlich gelegene Areal. Warum findet diese Lösung keine Mehrheit im Ortsbeirat?
Die Gebäude der ESF reichen für die inzwischen annähernd 2000 Schüler, Tendenz steigend, nicht mehr aus. Die Schule improvisiert mit Containerlösungen, aber der Standort ist ausgereizt und für eine Schulgemeinde wie diese verkehrlich schlecht angebunden. Eine Erweiterung ins Feld geht auch deshalb nicht, weil auf derselben Fläche der Stadtteil der Quartiere mit einer Straße an den Praunheimer Weg angebunden werden und dort eines Tages die Regionaltangente West fahren soll. Alles Anforderungen für dieselbe Fläche.
Befürchten Sie, dass mit der von der Stadt geplanten Erweiterung die ESF dauerhaft an ihrem derzeitigen Standort bleibt?
Das wäre eine falsche und für Frankfurt letztlich peinliche Entscheidung, denn die Stadt hat sich ja vertraglich verpflichtet, der Schule ein passendes Grundstück zur Verfügung zu stellen.
Wäre ein Bau der Europäischen Schule im neuen „Stadtteil der Quartiere“ für den Ortsbeirat eine Lösung?
Mir ist kein fundierter Vorschlag dazu bekannt.
Karlheinz Grabmann: In Gesprächen mit der Schule konnte ich feststellen, dass man alles nur als Hinhaltetaktik betrachtet. Über die Europäische Schule können Sie auch in Blogbeiträge die Peinlichkeit der Stadt Frankfurt lesen.https://karlheinzgrabmann.com/schule/
Vor zehn Jahren hat die Stadt den Rahmenplan Niederursel beschlossen, die Bürger:innen waren in den Prozess eingebunden. Nun teilt der Magistrat dem Ortsbeirat mit, dass eine funktionierende technische Lösung für alle Verkehrsteilnehmerinnen und -nehmer nicht möglich sei. Wie reagieren die Bürger:innen vor Ort darauf?
Das Thema ist ein gutes Beispiel dafür, wie Politikverdrossenheit entsteht. Erst werden die Bürger in einem Beteiligungsverfahren zur Erstellung des Rahmenplans groß eingebunden. Dann passiert jahrelang gar nichts. Und jetzt heißt es auf unsere Nachfrage hin: Geht nicht, und wenn überhaupt, dann bei einer Grundsanierung der Straße Alt-Niederursel, die aber erst in ferner Zukunft nötig sei.
Karlheinz Grabmann: solche Beispiele gibt es leider öfters, trifft für die Sanierung der ERS Schulen zu, sowie Lurgi-Areal.
Im Sommer dieses Jahres gab es etliche Beschwerden wegen nächtlicher Ruhestörung auf öffentlichen Plätzen und erhöhtem Lachgaskonsum durch Jugendliche im Ortsbezirk. Hat sich die Situation inzwischen verbessert?
Das betraf vor allem die Bereiche am Karl-Perrotte-Platz und vor dem Supermarkt in der Hessestraße. Die Polizei hat hier auch durch Hinweise des Ortsbeirats ihre Streifen intensiviert und geht auch gegen den Verkauf von Lachgas an Minderjährige vor. Dadurch konnte die Situation verbessert werden.
Bei den Bürgerinnen und Bürgern im Ortsbezirk steht in Befragungen die Sicherheit vor Ort ganz vorne. Die Polizei sieht keine sogenannten Brennpunkte im Ortsbezirk. Mit welchen Maßnahmen könnte hier ein größeres Sicherheitsgefühl gegeben werden?
Wir finden es seit Jahren schwierig, dass immer weniger Streifen der Frankfurter Stadtpolizei im Nordwesten unterwegs sind. Das betrifft vor allem auch die Nacht, wenn es zu massiven Ruhestörungen kommt und trotz Meldung kein Team vor Ort erscheint. Die Stadtpolizei braucht zusätzliche Einsatzkräfte, die nicht nur in der Innenstadt unterwegs sind. Dazu wäre eine „Wache-Nord“ der Stadtpolizei, die der Ortsbeirat beantragt hat, wünschenswert.
Karlheinz Grabmann: viele Menschen haben Angst bei Dunkelheit sich draußen zu bewegen. Als sofortigen Eigenschutz empfehle ich das Heimwegtelefon kostenlos Tel. 0800/46484648
Im Archäologischen Museum ist derzeit eine große Ausstellung zur römischen Geschichte der Stadt Frankfurt zu sehen. Es geht um die Bedeutung der ehemaligen römischen Stadt Nida in Heddernheim. Wann soll die geplante Außenstelle des Archäologischen Museums auf dem Grundstück In der Römerstadt 126-134 denn fertig sein?
Wir freuen uns, dass der Beschluss dazu anscheinend sorgfältig und mit Beteiligung renommierter Architekten umgesetzt wird. Nach meinem Kenntnisstand soll 2026 die Baugenehmigung kommen und alles dann noch circa drei Jahre bis zur Fertigstellung dauern.
Karlheinz Grabmann: hier gibt es mit Ortsbeiratsbeteiligung einen runden Tisch und darüber wird auch regelmäßig in den Ortsbeiratssitzungen berichtet.
Neue Ausgrabungen im westlichen Stadtteil Höchst haben weitere Belege für ein frührömisches Lager ans Licht gebracht, das größer als bislang bekannt und von strategischer Bedeutung gewesen sein soll – und damit zeitlich vor der Besiedlung der Stadt Nida. Bedeutet das nun eine Konkurrenz für Heddernheim oder eine Ergänzung?
Für eine „Konkurrenz“ gibt es keinen Anlass. Die aktuellen Ausgrabungen in Höchst sind sehr interessant. Dass es dort zur Zeit der Feldzüge des Kaisers Augustus schon eine ausgedehnte, vom Militär geprägte Anlage gab, ist aber nichts Neues. Das Besondere an Heddernheim: Nida war eine richtige Stadt von der Ausdehnung Frankfurts im Mittelalter. Weltweit interessieren sich Wissenschaftler dafür, und der Fund der „Silberinschrift“ hat das noch mal verstärkt.
Der Campingplatz in Heddernheim ist seit Jahren nicht mehr in Betrieb. Der Ortsbeirat hat großes Interesse daran, dass hier wieder ein funktionierender Campingbetrieb eingerichtet wird. Woran scheitert es?
Ja, ein Campingplatz wäre wieder gut, aber es ist nun einmal so, dass sich die Fläche, die dafür benötigt wird, in Privatbesitz befindet. Hier hat der Ortsbeirat keine Entscheidungsmöglichkeiten.
Karlheinz Grabmann: auf der Ortsbeiratssitzung vom 22.01.2026 hat sich der Besitzer vorgestellt und er sagte, er will so schnell als möglich hier wieder ein Angebot erstellen. Er steht mit den Frankfurter Behörden in engen Kontakt. Sieht anscheinend gut aus!
Frau Klenner, Sie sind die Spitzenkandidatin der CDU in Heddernheim. Mit welchen Themen wollen Sie in den Wahlkampf ziehen?
Mir ist vor allem der Dialog mit den Menschen wichtig. Mein Ziel im Team CDU ist ein lebenswerter Frankfurter Nordwesten: neuen Wohnraum schaffen, aber mit Sinn für das Machbare in unseren Stadtteilen. Das neue Quartier auf dem Lurgi-Areal mit etwa 1000 Wohnungen ist dafür geeignet und wird von uns unterstützt. Bei Mobilität stehen wir für Vernunft statt Ideologie – mit fairer Balance für alle Verkehrsteilnehmer, sinnvollen Radwegen, dem Erhalt notwendiger Parkplätze und einem verlässlichen ÖPNV. Gute Bildung braucht gute Räume: Wir fordern sanierte und neue Schulen sowie den konsequenten Ausbau von Hort- und Ganztagsplätzen, um den gesetzlichen Anspruch ab 2026 zu erfüllen. Nach immer mehr Starkregenereignissen setzen wir uns für wirksamen Hochwasserschutz in Niederursel ein. Historische Orte wie die Römerstadt Nida und das Heddernheimer Schloss wollen wir als Kulturtreffpunkte stärken.
Karlheinz Grabmann: alle vorgenannten Themen sind auch meine Themen. Sie finden viele Blogbeiträge dazu hier auf meiner Webseite. Ich freue mich hier das wir Deckungsgleich sind, was eine Zusammenarbeit erleichtert. Und eine gute Zusammenarbeit im OBR 8 ist mir wichtig und man profitiert auch von einander.
Kandidieren Sie auch wieder für das Amt der Ortsvorsteherin?
Ich habe dieses Ehrenamt in den vergangenen fünf Jahren sehr gerne ausgeübt. Jetzt haben erst einmal die Wählerinnen und Wähler am 15. März das Wort.
Welche Ziele möchten sie in der neuen Wahlperiode erreichen?
Wir müssen darauf drängen, dass endlich die neue Grundschule auf dem Lurgi-Areal gebaut wird und die drei anstehenden Ersatzneubauprojekte von Kinderzentren in der Nordweststadt zügig laufen. Obwohl der Magistrat den Jugendtreff im Mertonviertel abgelehnt hat, halten wir ein solches Angebot weiterhin für nötig und bleiben am Ball. Wichtig bleibt auch, das Quartiersmanagement kontinuierlich zu unterstützen, um die Lebens- und Wohnsituation in den Stadtbezirken zu verbessern. Und last but not least sind es die vielen kleinen Dinge, die Probleme direkt vor Ort, für die es einer Lösung bedarf. Es gibt also noch viel zu tun.
Karlheinz Grabmann: diese wichtigen Vorhaben sind auch mein Antrieb nochmals zu kandidieren. Wir brauchen die Grundschule, Kitaplätze schnell und daher ist auch der neue Bebauungsplan auf dem früheren Telekomgelände so wichtig gewesen. Hier hat der Ortsbeirat m.E. sehr gute Arbeit geleistet. Die Grundschule sollte erst auf dem Lurgi-Areal sein, was sicher noch etwas länger dauern wird, obwohl schon neue Bauabsichten vorliegen. Diese wurden leider wieder nicht mit dem OBR 8 abgesprochen und auch Bürgermeinungen und dazu wurde extra aufgerufen seitens des Stadtplanungsamtes in einer OBR-Sitzung, fanden keine Berücksichtigung. Dieser Mangel, dass die FRANKFURTER Stadtbehörden die Bürgermeinungen ignorieren, kommt leider auch öfters vor. Gilt auch für die Ideenplattform der Stadt. Der Bürger scheint zu stören!
Zur Person
Katja Klenner (CDU) ist seit 2016 Mitglied im Ortsbeirat 8 und wurde 2021 zur Ortsvorsteherin gewählt. Die 56-jährige Verlagskauffrau wohnt in Heddernheim und hat drei Kinder.
Karlheinz Grabmann: Katja Klenner und ICH sind seit 10 Jahren sehr aktiv im Ortsbeirat 8 engagiert. Ich schätze Katja Klenner sehr, da die Aufgabe als Ortsvorsteherin nochmals eine besondere Herausforderung ist. Ich hoffe, Sie setzt ihre sehr gute Arbeit im Ortsbeirat 8 fort.
Ich wünsche Ihr viel Erfolg, gleiches wünsche ich mir auch!
Der Ortsbeirat 8 ist für den Frankfurter Nordwesten mit den Stadteilen Heddernheim, Niederursel und Nordweststadt zuständig. Dort leben (Stand: Ende 2024) 35205 Menschen.
Karlheinz Grabmann: hier noch einige Angaben zusätzlich für Sie…
Heddernheim 12.227 Wahlberechtigte 8.916 Haushalte
Niederursel 11.160 Wahlberechtigte 8.708 Haushalte
Stärkste Fraktionen sind CDU und Grüne mit jeweils fünf Mandaten, die SPD hat vier, die Linke zwei Sitze, FDP und FW haben jeweils einen Sitz, Walther Wiebe ist fraktionslos.
