Vom Ehrenamt in den Ortsbeirat: Wie wir Schulen, Kitas und den Ortsbezirk 8 vor Hitze schützen. Hitzeschutz als Herzenssache: Warum meine Anträge im Ortsbeirat 8 ins Detail gehen müssen.Drei Anträge für ein kühleres Quartier: Meine Offensive für Hitzeschutz im Ortsbeirat 8.
Als aktiver Klimalotse in Frankfurt ist Hitzeschutz für mich kein Saisongeschäft, sondern eine ganzjährige Aufgabe. In dieser Rolle bieten wir unser Wissen kostenlos an, um Einrichtungen in ganz Frankfurt hitzefest zu machen. Besonders der Austausch mit unseren älteren Mitbürgerinnen und Mitbürgern ist mir eine echte Herzensangelegenheit – sie spüren die Folgen des Klimawandels oft am stärksten.
Dass ich dieses ehrenamtliche Wissen nun in Form einer fundierten Antragsoffensive für den Ortsbeirat 8 einbringe, ist für mich die logische Konsequenz. In drei ausführlichen Beiträgen widme ich mich dem Schutz in unseren Schulen, Kitas und im gesamten Ortsbezirk.
Ja, die Anträge sind lang und fordern Lesezeit. Viele wünschen sich verständlicherweise schnelle, kurze Forderungen. Doch wirksamer Hitzeschutz lässt sich nicht in drei Sätze quetschen. Wenn wir die Lebensqualität und die Gesundheit unserer Jüngsten und Ältesten nachhaltig sichern wollen, müssen unsere Forderungen an die Stadt präzise, kompetent und hieb- und stichfest sein. Nur so verhindern wir Scheinlösungen. Ich bin gespannt auf die Debatte in der Stadt und im Ortsbeirat – denn dieses Thema betrifft uns alle.
Hier Antrag 1 Schutzräume im Ortsbezirk für Senioren“
, „Warum Details im Ortsbeirat den Unterschied machen“).
Hitzeschutz im Ortsbezirk 8 verbessern: Unsere Haut, Psyche und Tiere schützen – Ein-
fache Lösungen mit unserem guten Frankfurter Leitungswasser nutzen!
Der Ortsbeirat möge beschließen:
Der Magistrat wird aufgefordert zu prüfen und umzusetzen, wie im Ortsbezirk 8 (Heddern-
heim, Niederursel, Nordweststadt) schnell und kostengünstig mehr Abkühlung für die Menschen und Tiere geschaffen werden kann.
Dabei soll vor allem das bereits vorhandene, qualitativ hochwertige Leitungswasser an öf
fentlichen Orten und Gebäuden besser zugänglich gemacht werden, anstatt teure neue
Trinkbrunnen zu bauen.
Begründung:
Die Sommer in Frankfurt werden immer heißer. Das ist keine reine Bequemlichkeitsfrage,
sondern macht viele Menschen in unserem Ortsbezirk krank. Bei extremer Hitze passiert
Folgendes in unserem Körper:
Die Psyche leidet: Dauerhafte Hitze und schlechter Schlaf in warmen Tropennächten
bedeuten extremen Stress für die Nerven. Man wird schneller gereizt, unruhig oder
fühlt sich erschöpft.
Die Haut leidet: Unsere Haut ist unser größtes Organ. Wenn wir Stress durch Hitze
haben, schüttet der Körper Stresshormone aus. Die Folge: Die Haut trocknet aus, juckt
stark oder Krankheiten wie Neurodermitis und schmerzhafte Hitzepickel brechen
aus. Besonders in dicht bebauten Teilen der Nordweststadt staut sich die Hitze extrem. Aber auch in den alten Ortskernen von Heddernheim und Niederursel brauchen die Menschen auf ihren Wegen Abkühlung.
Zudem wohnen in unserem Ortsbezirk 8 viele ältere Menschen etwa in den Senioren-
Wohnanlagen in der Nordweststadt. Für sie, aber auch für Familien mit kleinen Kindern, ist der Hitzestress besonders gefährlich, da ihr Körper die Wärme schlechter regulieren kann.
Die einfachen Wasser-Stopps im Viertel retten im Ernstfall Leben und erhalten die Mobilität dieser Gruppen auch im Sommer.
Aber auch Haustiere sind akut gefährdet. Hunde und Katzen können im Gegensatz zum Menschen nicht schwitzen, um sich abzukühlen. Sie geraten bei großer Hitze extrem schnell in lebensbedrohlichen Hitzestress. Zudem heizen sich Straßen und Gehwege im Ortsbezirk so stark auf, dass sich Tiere die Pfoten schwer verbrennen. Günstige Wasserstellen retten auch unseren tierischen Begleitern das Leben.
Wir brauchen für den Hitzeschutz keine teuren neuen Luxus-Trinkbrunnen. Unser normales Frankfurter Leitungswasser hat eine hervorragende Qualität. Wir müssen es nur nutzen.
Einfache und günstige Lösungen für den Ortsbezirk 8 wären etwa:
Vorhandene Wasserhähne nutzen: An öffentlichen Gebäuden (wie den hiesigen Schu-
len, Kitas oder Stadtteilbibliotheken) oder auf den Friedhöfen im Ortsbezirk (z. B.
Friedhof Heddernheim oder Friedhof Niederursel) gibt es bereits funktionierende
Wasseranschlüsse. Diese sollten im Sommer durch Hinweisschilder für alle Bürgerin-
nen und Bürger leicht zugänglich gemacht werden. So kann sich jeder kostenlos die
Arme kühlen, das Gesicht erfrischen, die Trinkflasche auffüllen oder eine mitgebrach-
te Schale für durstige Hunde und Katzen befüllen.
Ausbau von „Refill Frankfurt“ im Viertel: Das Frankfurter Nordwestzentrum (NWZ)
sowie die Einkaufsstraßen in Heddernheim und Niederursel bieten viele Geschäfte,
Apotheken und Cafés. Die Stadt soll diese gezielt ansprechen, bei der bekannten Akti-
on „Refill“ mitzumachen. Diese Läden kleben einen blauen Aufkleber an die Tür und
signalisieren: „Hier dürft ihr eure Mitbring-Flasche kostenlos mit gutem Leitungswas-
ser auffüllen.“ Das kostet die Stadt fast gar nichts.
Schattenbänke an Hitzepunkten: Bestehende Sitzbänke im Ortsbezirk – insbesondere
auf Wegen zwischen den Wohngebieten und dem Nordwestzentrum oder entlang der
U-Bahn-Stationen – sollten durch einfache Sonnensegel oder das Pflanzen von Bü-
schen/Bäumen in den Schatten geholt werden.
Mit diesen einfachen Mitteln schützen wir die Gesundheit, die Haut und das Wohlbefinden von Mensch und Tier im Ortsbezirk 8 – schnell, unkompliziert und ohne große Kosten für die
Stadt Frankfurt.
BFF • FREIE WÄHLER
Fraktion im Ortsbeirat 8
Karlheinz Grabmann Fraktionsvorsitzender
Antragsteller:
Karlheinz Grabmann. Christopher Melvin Kaman
Anträge für Schule und Kita:
Kühle Köpfe in Kita & Schule“
Priorität für das Kindeswohl bei der Haushaltsplanung: Pflicht-Hitzemessung, Integration von KLUG- und HAGE-Vorgaben und Bereitstellung eines sofortigen Sonderbudgets für den Hitzeschutz in städtischen Kindertagesstätten (Kita Frankfurt) im Ortsbezirk 8
– Gleichziehen mit freien Trägern unter Berücksichtigung von Personalnot, Kranken-
stand und Ganztagsbelastung
Der Ortsbeirat möge beschließen:
1.) Der Magistrat wird aufgefordert, für die städtischen Kindertagesstätten (Eigenbetrieb Kita
Frankfurt) im Ortsbezirk 8 – namentlich dem Kinderzentrum Alt-Heddernheim, dem Kinderzentrum Niederurseler Landstraße sowie den Einrichtungen am Nidaforum – ein sofortiges Sonderbudget für den Hitzeschutz freizugeben. Hierbei ist sicherzustellen, dass die städtischen Kitas im Ortsbezirk 8 im gesamtstädtischen Vergleich nicht benachteiligt und gegenüber den Initiativen in anderen Ortsbezirken prioritär behandelt werden. Der Magistrat wird verpflichtet, dem Ortsbeirat bis zur übernächsten Sitzung im Januar 2027 Bericht über die Bereitstellung der Mittel und den Einbau eines flächendeckenden Hitzemesssystems zu erstatten.
2.) Folgende Komponenten sind ohne Aufschub umzusetzen:
a. Verpflichtende Hitzemessung & Gleichbehandlung
Ausstattung aller Gruppen-, Schlafräume und Personalräume mit fest installierten,
protokollierenden Hitzemessgeräten. Ab 26 °C Raumtemperatur muss das System den
Übergang in den Hitze-Betreuungsmodus signalisieren; ab 30 °C müssen dokumen-
tierte Notfallmaßnahmen zum Gesundheitsschutz greifen. In analoger Anwendung
stadtweiter Hitzeschutzanfragen (wie V 114 2026 für den OBR 9 und V 111 2026) for-
dert der OBR 8 hierbei die lückenlose Erfassung der baulich-klimatischen Belastung
aller bezirkseigenen Kitas.
b. Umsetzung des KLUG- und HAGE-Kita-Stufenplans
Verlegung von Outdoor-Aktivitäten ausschließlich in die kühlen Morgenstunden ab
26 °C, verpflichtende, protokollierte Trinkpausen und hitzeangepasste, leichte Ver-
pflegung sowie die unbedingte Verschattung aller Sandkästen und Außenbereiche
durch großflächige Sonnensegel. Dies dient dem Gleichzug mit anderen Ortsbezirken,
in denen bereits flächendeckende Verschattungen und Schutzkonzepte forciert wer-
den (vgl. V 82 2026).
c. Schutz des Personals bei extremer Ganztagsbelastung
Angesichts des eklatanten Personalmangels in den Frankfurter Kitas und einem oh-
nehin drastischen Krankenstand muss der Stufenplan sicherstellen, dass die verblei-
benden Fachkräfte in den langen Ganztags-Betreuungsphasen bis zum späten Nach-
mittag durch Entlastungszeiten geschützt werden, um einen totalen Kollaps des Be-
treuungssystems im Ortsbezirk 8 zu verhindern. Hierbei wird direkt an die geltenden
Grundsätze des Arbeitsschutzes bei steigenden Temperaturen am Arbeitsplatz ange-
knüpft, wie sie stadtweit auch für andere Arbeitnehmer eingefordert werden (F 198
2026).
d. Finanzielle Gleichstellung (1-Million-Euro-Signal)
Die Stadt Frankfurt wird aufgefordert, finanziell umgehend mit freigemeinnützigen
Trägern gleichzuziehen. Analog zum Evangelischen Regionalverband Frankfurt und
Offenbach, der ein Sonderbudget von einer Million Euro für den Hitzeschutz seiner
Kitas bereitgestellt hat, sind für die städtischen Kitas im Ortsbezirk die notwendigen
Budgets für technische Nachrüstungen unverzüglich freizugeben.
e. Passiver Hitzeschutz und Klimareferat-Schnittstelle
Das Amt für Bauen und Immobilien (ABI) wird verpflichtet, bei anstehenden Sanie-
rungen, Teilsanierungen (gemäß V 120 2026) und Fensteraustauschen im Bezirk kon-
sequent Hitzeschutzfenster mit selektiver Sonnenschutzverglasung einzusetzen. Bei
der Planung von Dach- und Fassadenbegrünungen sowie energetischen Sanierungen
sind das städtische Klimareferat (hinsichtlich bestehender Beratungsleistungen und
Förderrichtlinien) sowie lokal erfahrene Unternehmen (wie das in Frankfurt ansässi-
ge Unternehmen Green Roofing) frühzeitig in der Planungsphase einzubinden.
f. Nutzung von Bürgerenergie
Für die energetische Ausstattung und solare Verschattung von Kitagebäuden ist die
Kooperation mit der Frankfurter Bürgerenergiegenossenschaft (FraBeG) zu prüfen,
die sich bereits im Ortsbeirat 8 vorgestellt hat und deren Solaranlagen-Konzept an
der nahen Josephine-Baker-Schule auf dem Riedberg bereits im ersten Jahr (Stand
Nov. 2025) erfolgreich über 49 MWh grünen Strom produziert hat.
g. Trinkwassergarantie nach Koalitionsvertrag
In Umsetzung der im Koalitionsvertrag vereinbarten Ausweitung öffentlicher Trink-
wasserangebote hat der Magistrat sicherzustellen, dass jede Kita über ausreichend
frei zugängliche Trinkbrunnen und Wasserspender verfügt. Diese sind bei Neubau-
ten und Sanierungen von Anfang an mit zu planen. Langfristig ist die Ausstattung
jedes Unterrichtsraums mit einem Waschbecken anzustreben.
Begründung:
Kleinkinder können ihre Körpertemperatur noch nicht wie Erwachsene regulieren und sind medizinisch eine absolute Hochrisikogruppe. Auch für die Erzieherinnen und Erzieher bedeutet die Arbeit in überhitzten Räumen – ob im historischen Schloss Heddernheim oder in den Zweckbauten der Nordweststadt – eine extreme körperliche Belastung.
Das Frankfurter Gesundheitsamt und die Hessische Arbeitsgemeinschaft für Gesundheitsförderung e.V. (HAGE) haben erst am 9. September 2026 bei einer Fachkräfteschulung dargelegt, dass aktiver Hitzeschutz ein unumgänglicher Baustein des Kindeswohls in der Klimakrise ist. Es ist paradox, wenn die Landes- und Stadtbehörden Hitzeschutzpläne lehren, die Stadt Frankfurt diese mangels Budgets in den eigenen Einrichtungen aber nicht finanziert. Ich habe an der Veranstaltung teilgenommen!
Die Gewerkschaft ver.di schlägt seit Jahren Alarm wegen der Belastungen: Laut Daten des
hessischen Sozialministeriums fällt das pädagogische Personal in der Kinderbetreuung mit durchschnittlich fast 31 Tagen im Jahr ohnehin rund 50 % häufiger aus als andere Berufsgruppen (Schnitt: 21 Tage). In Frankfurt fehlen aktuell über 300 Planstellen in den Kitas. Hitze wirkt hier als medizinischer und struktureller Brandbeschleuniger.
Ein entscheidender Grund für das sofortige Handeln ist die Vermeidung einer Benachteili-
gung der Kitas im Ortsbezirk 8. Während freie Träger in Frankfurt bereits erhebliche Son-
derbudgets (wie die 1 Million Euro des Evangelischen Regionalverbandes) mobilisieren und andere Ortsbezirke eigene Initiativen für den Hitzeschutz auf den Weg bringen (vgl. V 82 2026 und V 114 2026), dürfen die Kinder und das Betreuungspersonal in den städtischen Einrichtungen des Eigenbetriebs Kita Frankfurt in Heddernheim, Niederursel und Praunheim nicht zu Bürgern zweiter Klasse werden.
Gemäß der stadtweiten Fürsorgepflicht, die auch in den Arbeitsschutzregelungen (F 198
2026) verankert ist, muss die Stadt für ihre eigenen Angestellten und die ihnen anvertrauten in der dieselben Schutzstandards garantieren wie sie überall sonst gefordert werden.
Unsere Kinder sind unsere Zukunft – es ist nicht länger hinnehmbar, warum Frankfurt als
weltbekannte Bankenstadt die Büros der Finanzwirtschaft kühlt, aber bei den Jüngsten in
den städtischen Kitas spart. Genug gewartet – die Umsetzung im Ortsbezirk 8 muss jetzt erfolgen.
ANTRAG
Direkte Umsetzung der Frankfurter Anpassungsstrategie an den Schulen im Ortsbezirk 8 – Praxisnahe Umsetzung von Hitzeschutzmaßnahmen, Einbindung des Klimawandelaktionsplans (KWAP) und prioritäre Nutzung der kostenfreien städtischen Klimalotsen
Der Ortsbeirat möge beschließen:
Der Magistrat wird gebeten, die an den Schulen im Ortsbezirk 8 bereits initiierten Schritte
der Frankfurter Anpassungsstrategie sowie des Klimawandelaktionsplans (KWAP) aktiv zu
unterstützen und die bezirklichen Schulen prioritär in die anstehenden Umsetzungs- und
Messprogramme des Amtes für Bauen und Immobilien (ABI) aufzunehmen. Um das richtige Verhalten bei Extremhitze flächendeckend und ohne finanzielle Mehrbelastung der Stadt zu stärken, wird der Magistrat gebeten, das kostenfreie Angebot der städtischen Klimalotsen prioritär an die hiesigen Schulstandorte zu vermitteln. Bei der Verteilung von Haushaltsmitteln ab 2027 ist eine bedarfsgerechte Berücksichtigung des Ortsbezirks 8 im stadtweiten Vergleich sicherzustellen, um strukturelle Benachteiligungen zu verhindern.
Dazu werden folgende Maßnahmen und Handlungsfelder vorgeschlagen:
- Nutzung bestehender Grundlagen und bezirkliche Priorisierung im ABI
Da die strategischen Voraussetzungen durch die „Frankfurter Anpassungsstrategie“, die „Leitlinien zum wirtschaftlichen Bauen“ sowie den stadtweiten „Klimawandelaktionsplan“ (KWAP) bereits geschaffen sind, bedarf es keines zusätzlichen Strategiepapieres mehr. Der Fokus liegt nun vollständig auf der praktischen Umsetzung in Planung, Bau und täglichem Verhalten. Der Ortsbeirat 8 begrüßt das bestehende Engagement des Amtes für Bauen und Immobilien (ABI) ausdrücklich. Der Magistrat wird gebeten, dem Ortsbeirat 8 bis zum ersten
Quartal 2027 eine bezirksspezifische Prioritätenliste des ABI vorzulegen, aus der hervorgeht, in welchem Maße und in welcher Reihenfolge die baulichen Hitzeschutzmaßnahmen an den hiesigen Schulen bereits in der mittelfristigen Investitionsplanung hinterlegt sind. - Stärkung des Verhaltensschutzes durch kostenfreie städtische Klimalotsen
Die aktive Anwendung des richtigen Verhaltens bei Hitzeperioden steht im Fokus des städtischen KWAP. Um dies ohne bürokratischen und finanziellen Aufwand für die Stadt umzusetzen, soll die bestehende ehrenamtliche Infrastruktur genutzt werden:
Kostenfreie Nutzung der Klimalotsen
Das bewährte, für die Stadt budgetneutrale Projekt der städtischen Klimalotsen (Ge-
sundheitsamt in Kooperation mit dem Verein Kinder im Zentrum Gallus e.V.) soll ge-
zielt und prioritär an die Schulen des Ortsbezirks 8 vermittelt werden. Die im Ehren-
amt aktiven Lotsinnen und Lotsen leisten einen unschätzbaren Beitrag zur Aufklä-
rung und sollen zeitnah praxisnahe Schulungen und Vorträge zum Gesundheitsschutz
bei Extremhitze für Schulleitungen, Lehrkräfte sowie Eltern anbieten (analog zu be-
währten Abrufen wie V 114 2026). Die Klimalotsen wurden gerade ausgezeichnet.
Zusammenarbeit mit Schulgemeinden und Best-Practices
Schulelternbeiräte (SEB) und Schülervertretungen (SV) sind als Multiplikatoren eng
einzubinden. Bestehende Erfahrungswerte vor Ort – wie das Hitzeschutz-Netzwerk
Frankfurt an der Französischen Schule (Westhausen) oder die Hitzeschutz-AG der
Liebigschule (Mess- und Protokollpraxis) – sollen als Orientierung dienen. - Teilnahme am städtischen Hitzemessprogramm
Der Ortsbeirat begrüßt, dass sich ein städtisches Projekt zur Erfassung und Messung der Temperaturen an Frankfurter Schulen derzeit in Arbeit befindet. Der Magistrat wird gebeten, die Schulen des Ortsbezirks 8 prioritär in dieses Messprogramm aufzunehmen. Zur raschen, datenschutzkonformen Umsetzung wird eine Ausstattung mit einfachen, kostengünstigen und datenschutzkonformen Messgeräten (Datenloggern) zur Erfassung von Temperatur und Luftfeuchtigkeit in den Klassen- und Betreuungsräumen angestrebt (unter Verzicht auf aufwendige WLAN-Infrastrukturen). Die Messdaten dienen der Überprüfung der Richt-
werte gemäß der Arbeitsstättenregel (ASR A3.5) und werden über analoge/digitale Protokollbögen dokumentiert, um ab einer Raumtemperatur von 25 Grad im kommenden Sommer gezielte Schutzmaßnahmen in Kooperation mit dem Gesundheitsamt und den Warnwegen des Deutschen Wetterdienstes (DWD) einzuleiten. - Standortspezifische Umsetzung und Fürsorge im Bezirk
In direkter Anwendung der planerischen Grundlagen des ABI und analog zu bereits beschlossenen Hitzeschutzmaßnahmen in anderen Stadtteilen (z. B. Bornheim/Ostend V 82 2026; Brüder-Grimm-Schule OM 382 2026) wird um die prioritäre Berücksichtigung hiesiger Einrichtungen gebeten:
Mosaikschule (Förderschule)
Besondere und vordringliche Unterstützung bei der Erstellung eines spezialisierten,
barrierefreien Hitzeaktionsplanes unter Einbeziehung des Pflegepersonals. Da Kinder
mit dem Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung medizinisch eine Hochrisikogrup-
pe darstellen, sind sie im Sinne des neuen kommunalen Vulnerabilitätsregisters prio-
ritär zu schützen.
Ernst-Reuter-Schule I und II
Bereitstellung von Haushaltsmitteln durch das ABI für kurzfristig wirksame, passive
Übergangslösungen (z. B. außenliegende Sonnenschutzfolien, mobile Verschattungen) für die stark aufheizenden Bestandsbauten der 1960er-Jahre bis zum Beginn der im Koalitionsvertrag vereinbarten beschleunigten Schulsanierungen.
Robert-Schumann-Schule und Heinrich-Kromer-Schule
Beschleunigte Umsetzung von baulichen Verschattungsmaßnahmen und innovativen
Begrünungskonzepten. In direkter Anwendung der koalitionären „3-30-300“-Regel
sind gezielte Dachbegrünungen (z. B. System ENERGY ROOFS) und vertikale Fassadenbegrünungen (z. B. System ENERGY WALLS) zu prüfen, um neben sommerlicher Kühlung spürbare Energie- und Heizkosteneinsparungen zu erzielen. - Technischer Hitzeschutz, Bürgerenergie und Trinkwasseroffensive
Passiver Hitzeschutz & Schnittstellen
Das ABI wird gebeten, bei anstehenden Sanierungen, Teilsanierungen (gemäß V 120 an Fensteraustauschen konsequent Hitzeschutzfenster mit selektiver Sonnenschutzverglasung einzusetzen. Bei der Planung von Dach- und Fassadenbegrünungen sind das städtische Klimareferat sowie lokal erfahrene Unternehmen (wie die in Frankfurt ansässige GREEN ROOFING Schulz & Schulz GbR) frühzeitig einzubinden. Modulare Systeme – wie die sofortige Begrünung von Container-Dächern innerhalb von zwei Wochen oder flexibel per Hubwagen aufstellbare Sonnensegel mit integrierten Sitzgelegenheiten auf den Schulhöfen – erzielen einen sofortigen Kühleffekt und reduzieren die Energiepreise merklich.
Nutzung von Bürgerenergie:
Für die energetische Ausstattung und solare Verschattung von Schulgebäuden ist die
Kooperation mit der Frankfurter Bürgerenergiegenossenschaft (FraBeG) zu prüfen.
Deren Solaranlagen-Konzept an der nahen Josephine-Baker-Schule auf dem Riedberg hat bereits im ersten Jahr (Stand Nov. 2025) erfolgreich über 49 MWh grünen Strom produziert.
Trinkwassergarantie nach Koalitionsvertrag
In Umsetzung der im Koalitionsvertrag vereinbarten Ausweitung öffentlicher Trink-
wasserangebote hat der Magistrat über das ABI sicherzustellen, dass jede Schule über
ausreichend frei zugängliche, moderne und hygienische Trinkbrunnen und Wasser-
spender verfügt. Diese sind bei Neubauten und Sanierungen von Anfang an mitzupla-
nen. Langfristig ist im Zuge der Modernisierungen die Ausstattung jedes Unterrichts-
raums mit einem Waschbecken anzustreben. - Abgestuftes Kühlprogramm für Extremräume und Eigenbudget
Für nachweislich extrem überlastete Räume (wie Containeranlagen), in denen Nacht- und Querlüftung versagen, ist ein abgestuftes Notprogramm zu etablieren:
a. Kurzfristige Ausstattung mit leisen, geeigneten Deckenventilatoren.
b. Bereitstellung von mobilen Kühlgeräten bzw. Mietkühlungen als temporäre Übergangslösung zur Abwendung akuter Gefahren für das Kindeswohl (unter Nutzung des entsprechenden Förderprogramms des Landes).
c. Bereitstellung von städtischen Ausweichräumen binnen sechs Monaten, abrufbar über die Behördennummer 115.
d. Der Magistrat prüft die Einrichtung eines dezentralen, selbst verwalteten Hitzeschutz-Budgets für die Schulen zur schnellen Umsetzung kleinerer, lokaler Sofortmaßnahmen. Der Magistrat berichtet im Zuge der jährlichen Überprüfung des Sofortprogramms gesondert über den Umsetzungsstand an den Schulen im Ortsbezirk 8. - Begründung:
Der vorliegende Antrag konkretisiert das von der Römer-Koalition vorgelegte Hitze-Sofortprogramm auf lokaler Ebene. Er übersetzt die im Koalitionsvertrag 2026–2031 verankerten Klimaanpassungs- und Fürsorgeziele partnerschaftlich und lösungsorientiert in die Praxis, da die strategischen Rahmenbedingungen stadtweit bereits erfolgreich geschaffen wurden.
Es gilt nun, diese im Ortsbezirk aktiv anzuwenden und umzusetzen.
Dass akuter Handlungsbedarf in der Bau- und Planungsphase besteht, belegen die offiziellen Zahlen des Magistrats: Beim Amt für Bauen und Immobilien (ABI) gingen bereits Beschwerden von rund 70 Frankfurter Schulen wegen unerträglicher Hitzebelastung ein. Die Erfahrungen aus der Schulpraxis zeigen, dass bei Raumtemperaturen von über 30 Grad am Morgen regulärer Unterricht kaum mehr möglich ist. Die daraus resultierenden Kurzstunden führen zu massiven Stoffausfällen. In unverschatteten Containerbauten oder bei Passivhaus-
Hitzestaus werden teilweise gesundheitsgefährdende Extremtemperaturen erreicht – dies berührt die gesetzliche Fürsorgepflicht und das Kindeswohl unmittelbar. Gemäß den rechtlichen Rahmenbedingungen für reguläre Arbeitsplätze (F 198 2026) müssen Schutzmaßnahmen bei steigenden Temperaturen greifen; diese Fürsorgepflicht gilt für Schülerinnen, Schüler, Lehr- und Betreuungskräfte gleichermaßen.
Ein wesentlicher Kern dieses Antrags ist die Vermeidung einer strukturellen Benachteiligung des Ortsbezirks 8 bei der Zuteilung von Ressourcen. Ein Blick auf die parlamentarischen Initiativen anderer Ortsbeiräte zeigt, dass das Thema Hitzeschutz stadtweit bereits mit Nachdruck vorangetrieben wird (vgl. u. a. V 82 2026 für Bornheim/Ostend, V 114 2026 für den OBR 9 sowie OM 382 2026 für die Brüder-Grimm-Schule). Die Schulen im Ortsbezirk 8 (wie die Ernst-Reuter-Schulen, die Robert-Schumann-Schule, die Heinrich-Kromer-Schule und insbesondere die Mosaikschule als Förderschule mit medizinisch hochvulnerablen Kindern) ste-
hen vor exakt denselben klimatischen Herausforderungen.
Um den Schulen sofortige, spürbare Unterstützung zukommen zu lassen und ein faires, stadtweit ausgewogenes Verfahren bei der Klimaanpassung zu garantieren, setzt dieser Antrag auf den Ausbau bereits bestehender, bewährter Instrumente. Die gezielte Einbindung der städtischen Klimalotsen ermöglicht eine hocheffektive Verhaltensaufklärung direkt vor Ort, ohne dass der Stadt hierdurch zusätzliche Kosten entstehen oder Pflichten unangemessen auf neue, zivilgesellschaftliche Ehrenämter verlagert werden. Gleichzeitig klinkt dieser Antrag den Ortsbezirk 8 direkt in die aktiven Beratungs-, Mess- und Bauprogramme der Stadt Frankfurt am Main ein.
BFF • FREIE WÄHLER
Fraktion im Ortsbeirat 8
Karlheinz Grabmann
Fraktionsvorsitzender
Antragsteller:
Karlheinz Grabmann, Christopher Melvin Kaman
