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Karlheinz Grabmann

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Ihr Ansprechpartner im Ortsbeirat 8
SpazierTreff Heddernheim

Die Heddemer Rennschnecken: Wenn Rollstühle Rumba tanzen

Das nachstehende Foto ist eigentlich ein Video und daher ist die Bildqualität schlecht. Dennoch wollte ich auf diesen Moment nicht verzichten, weil die Erinnerung lebt!

Ein Spaziergang durch unser schönes „Klaa Paris“ Heddernheim ist eigentlich nie langweilig. Aber was sich heute, am 12. Oktober 2026, bei unserem Spaziertreff abgespielt hat, zeigt wieder einmal: Unsere Gruppe entwickelt sich zu etwas ganz Speziellem in unserem Stadtteil!

Dieses Mal waren wir insgesamt 9 Teilnehmer, darunter zwei Männer – und wir durften stolz drei neue Gesichter in unserer Runde begrüßen. Dass die meisten von uns bereits über 80 Jahre alt sind, merkt man der Energie überhaupt nicht an: Alle sind noch immer unglaublich aktiv dabei! Mit meinen 78 Jahren bin auch ich inzwischen ab und zu auf Hilfe angewiesen. Und ich nehme sie in einer so tollen Gemeinschaft sehr gerne an. Genau das macht uns aus: Wir halten zusammen und unterstützen uns gegenseitig.

Nur unser früherer Marathonläufer und Dauerwitzerzähler hat leider schon zum zweiten Mal gefehlt. Aber ich bin Optimist: Wünsche gehen bei mir eigentlich immer in Erfüllung (beim Parkplatzsuchen klappt es ja schließlich auch!). Nächstes Mal bist du hoffentlich wieder dabei!

Eine Schnecke im Auto und eine Rumba-Einlage mit 92 Jahren

Ellen hatte direkt zu Beginn das perfekte Motiv für uns parat: Eine Schnecke in einem Auto. Passender geht es für uns „Heddemer Rennschnecken“ wohl kaum!

Der absolute Star des Tages war jedoch Gisela. Die 92-jährige frühere Artistin stand erst gestern Abend im Gallus auf der Bühne, sang sich in die Herzen der Zuschauer und erntete tosenden Applaus. Heute konnte ich ihr beim Gehen sogar eine kleine Gesangskostprobe entlocken! Da das Laufen nicht mehr so gut klappt, kam sie heute Nacht auf die geniale Idee, einfach mit dem Rollstuhl mitzukommen. Ein Ehepaar aus unserer Runde, das sich in der Pflege bestens auskennt, hat uns den Rollstuhl erst einmal genau erklärt – vor allem die goldene Regel: Die „Chefin“ bedient die Bremse immer selbst! So habe ich Gisela sicher geschoben und wir haben uns wunderbar unterhalten.

Zwischendurch gab es wie immer unsere Bewegungsübungen, die jeder leicht in den Alltag einbauen kann. Als wir beim Thema Tanzschritte ankamen, hielt Gisela trotz ihrer 92 Jahre nichts mehr auf dem Sitz: Sie stand auf und führte uns spontan die Rumba mit einer kleinen Einlage vor! Genau dieser Elan zeichnet unsere fitte Generation aus.

Theater-Tipps, Hundertwasser und ein Blick in die Zukunft

Unser Treffen ist längst auch eine Börse für tolle Erfahrungen und Veranstaltungstipps. Ellen, die früher selbst Theaterstücke geschrieben und Regie geführt hat, empfahl uns wärmstens das Theater der Käwwern. Auch die Fidelen Nassauer haben eine tolle Theatergruppe. Man sieht: Die Heddemer Narren können eben auch Theater!

Beim Vorbeilaufen an der Hundertwasser-Kita gab es spannende Insider-Infos: Ellen hat damals an der Planung der Kita mitgewirkt und versprach, zum nächsten Treffen die originalen Planungsskizzen mitzubringen. Das wird ein Highlight! Unterwegs haben wir außerdem ein paar kleinen Kindern zugewunken, die sich riesig über unsere Geste gefreut und mit einem Lächeln geantwortet haben.

Wie klein die Welt doch ist – und ein starkes Mittel gegen Einsamkeit

Und dann gab es da noch so einen Moment, der zeigt, wie eng und wunderbar wir in Heddernheim alle miteinander verbunden sind. Im Gespräch stellte sich heraus: Gisela hat früher über 20 Jahre lang Akkordeon zusammen mit Philipp Gitarre gespielt. Und dieser Philipp ist zufällig mein direkter Nachbar! Es sind genau diese schönen Zufälle, die beweisen: Die Welt ist klein, und es gibt so viele liebe Menschen direkt in unserer Nachbarschaft.

Wer noch mehr von Giselas Talent erleben möchte: Ende dieses Monats singt sie in der Begegnungsstätte gemeinsam mit der Gitarrengruppe!

Genau diese Begegnungen und Gespräche machen unseren Spaziertreff zu einer echten Herzenssache. Er bringt Menschen zusammen und ist ein wunderbares, einfaches Mittel gegen die Einsamkeit im Alter. Niemand muss alleine zu Hause sitzen, wenn man stattdessen mit den Rennschnecken lachen, sich austauschen und sogar Rumba tanzen kann!

Unser großes Ziel bis April: Die Renaturierung an der Sandelmühle

Wir laufen nicht nur aus Spaß, wir haben auch ein sportliches Ziel: Bis April 2027 wollen wir so fit sein, dass wir die (momentan noch gesperrte) Straße zur Sandelmühle überqueren können. Dort möchten wir uns die Renaturierung der Nidda und des Urselbachs in der Nähe des ehemaligen Campingplatzes ansehen.

Als Ortsbeiratsmitglied durfte ich bereits an einem Ortstermin teilnehmen und mich von den Arbeiten überzeugen. Ich kann euch versprechen: Es wird wunderschön und eine echte Bereicherung für unser Heddernheim! Es gibt zwei große Bereiche für die Renaturierung. Einer davon liegt in der Nähe des Schwimmbades und bekommt einen neuen Radweg, der direkt zur Schwimmbadbrücke führt.

Viele kennen den genauen Verlauf dieser geschichtsträchtigen Strecke am Urselbach – den alten Mühlenweg – gar nicht mehr. Umso schöner ist es, ihn gemeinsam neu zu entdecken.


Über Gisela habe ich noch einige Informationen gefunden

Die Lebensgeschichte von Gisela Nyman (geborene Blumenthal) liest sich wie ein faszinierender Roman und spiegelt ein bewegtes Jahrhundert europäischer Geschichte und Zirkuskunst wider:

Die frühen Jahre und der Krieg

Gisela wurde 1934 in Leipzig als Tochter eines jüdischen Vaters und einer nichtjüdischen Mutter geboren. Ihre Kindheit war stark von den NS-Verfolgungen geprägt; ihr Vater wurde in den Konzentrationslagern Sachsenhausen und Buchenwald interniert, überlebte jedoch. Schon im Alter von fünf Jahren begann Gisela mit Ballett- und Musikunterricht, inspiriert von ihrem großen Kindheitsidol, der Schauspielerin Marika Rökk. [1, 2]

Karriere als Rollschuhartistin

In den Nachkriegsjahren startete ihre artistische Karriere. Ab 1948 trat sie mit der erfolgreichen Rollschuhtruppe „Trio Splendid“ in Westdeutschland auf. Da sie aus der sowjetischen Besatzungszone flüchten musste, gab sie sich bei der Einreise nach Essen kurzerhand als Tochter ihres damaligen Chefs aus. Ab 1951 feierte sie internationale Erfolge mit Engagements in Skandinavien, darunter in Oslo und bei namhaften Zirkussen. [

Der Unfall und der Tanz mit der Schlange

Im September 1956 erlitt Gisela einen schweren Akrobatikunfall, der ihre bisherige Laufbahn jäh unterbrach. Sie musste auf das Trampolin umsteigen. Während eines Gastspiels in Finnland beim „Suomen Tivoli“ gab es Probleme mit den Gagen, woraufhin ihre Truppe heimlich über Nacht verschwand und sie alleine zurückließ.

Der Zirkusdirektor brauchte dringend Ersatznummern und fragte Gisela, ob sie mit einer Schlange tanzen würde. Ihr späterer Ehemann Kalle Nyman – ein finnischer Rom, der im Zirkus auch als „Tarzan“ bekannt war und auf Elefanten ritt – brachte ihr den Umgang mit dem Reptil bei. Fortan faszinierte sie das Publikum mit einer zwölf Kilogramm schweren Tigerpython namens „Leila“.

Rückkehr nach Frankfurt und Musik im Alter

Das Paar heiratete 1960 in Frankfurt am Main und reiste noch einige Jahre gemeinsam mit Zirkussen und dem Elefanten Pepita durch Finnland. 1967 zog die Familie endgültig nach Frankfurt, wo Gisela bis heute lebt.

Ihre Liebe zur Bühne hat sie nie verloren. Sie widmete sich ganz der Musik:

  • 2002: Eintritt in die Frankfurter Liedertafel 1827
  • 2008: Aktives Mitglied im Frankfurter Seniorenorchester
  • Heute: Begeisterter Mittelpunkt des Heddernheimer Künstlerstammtischs, wo sie mit ihrem Akkordeon und dem Song „Ich bin Baujahr 34“ das Leben feiert

Frankfurter Künstlerstammtisch feiert 92-Jährige mit Akkordeon und eigenem Song

Gisela Nyman packt in der Pizzeria ihr Akkordeon aus und singt ihr selbst komponiertes Geburtstagslied. Der Stammtisch trifft sich jeden Mittwoch – und hat schon eine Straße umbenannt.

Der vollständige Artikel schildert den wöchentlichen Mittagsstammtisch in der Pizzeria Al Camino in Heddernheim, bei dem die 92-jährige Gisela Nyman mit ihrem Akkordeon und dem selbstkomponierten Lied „Ich bin Baujahr 34“ gefeiert wurde. Die Runde vereint diverse Künstler wie Maler, Musiker, Autoren und Filmschaffende. Der Stammtisch, der sich mittwochs ab 12 Uhr trifft, hat sich auch lokal engagiert und etwa die Umbenennung einer Straße in die „Landsbergstraße“ angeregt. https://www.fnp.de/frankfurt/kuenstlerstammtisch-feiert-92-jaehrige-mit-akkordeon-und-eigenem-song-94401077.html

WOW, was für ein Lebeninhalt. Und ich durfte die „Grande Madame“ heute an die Spitze des „Heddemer Rennschnekcen – SpazierTreff“ nach vorne schieben!

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Mobil: 01749019715
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