Warum das Reallabor „Heddernheimer Landstraße“ vorerst Idee bleibt…
Liebe Nachbarinnen und Nachbarn, liebe Interessierte,
das Verkehrschaos vor unserer Haustür lässt sich nicht mit theoretischen Planungen am grünen Tisch lösen. Es braucht den Blick aus der Praxis – von den Betrieben, den Logistikern und vor allem von den Menschen, die hier täglich unterwegs sind.
Mit diesem Credo hatte ich das Reallabor „Heddernheimer Landstraße“ angedacht. Ein Modell, das drei wichtige Säulen für unser Quartier vereinen sollte: ein intelligentes Schwerlast-Routing, ein faires Parkraummanagement (inklusive fester Plätze für E-Roller) sowie echte Inklusion und Barrierefreiheit für Senioren, Menschen mit Behinderung und Eltern.
Die Vorbereitungen hierzu waren meinerseits bereits komplett abgeschlossen. Vom detaillierten Handzettel über die Einladungen für die unterschiedlichen Interessengruppen, den Elevator Pitch, die Begrüßungsreden und die interne Organisation bis hin zu den fertigen Presseinformationen lag alles schlüsselfertig in der Schublade. Sogar die Behörden und das zuständige 14. Polizeirevier waren bereits vorab informiert. Da sich alle Aktivitäten strikt im Rahmen der Straßenverkehrsordnung bewegt hätten, waren für die Begehungen nicht einmal Sondergenehmigungen erforderlich – das Konzept stand auf absolut sicheren Beinen.
Nach intensiver Prüfung aller organisatorischen und praktischen Voraussetzungen habe ich mich nun dennoch dazu entschlossen, dieses Projekt nicht zu starten.
Warum diese Entscheidung?
- Grenzen des Ehrenamts: Obwohl die rechtliche, inhaltliche und kommunikative Vorarbeit zu 100 Prozent erledigt ist, erfordert die tatsächliche Durchführung auf der Straße (wie die Moderation der Gruppen, die Erfassung der Rückmeldungen und die spätere Auswertung des Fragebogens) eine enorme dauerhafte Präsenz.
- Ein Projekt dieser Größenordnung braucht ein Team: Die Koordination zwischen Wirtschaft, Verbänden und Bürgern ist eine Mammutaufgabe. Ohne eine feste, administrative Struktur im Hintergrund stößt man als Einzelperson bei der Betreuung eines so großen Gebietes schlicht an zeitliche Kapazitätsgrenzen.
- Verantwortungsvoller und zielgerichteter Einsatz meiner Kräfte: Engagement lebt von Begeisterung. Ich möchte meine persönliche Energie und Zeit dort einbringen, wo Projekte auch im Ehrenamt überschaubar bleiben und der Aufwand in einem gesunden Verhältnis zum Ergebnis steht – anstatt sie in einer zu großen Organisationswelle aufzureiben.
Ich bin nicht enttäuscht, sondern betrachte es realistisch. Ein solch umfassendes Konzept lässt sich im Alleingang nicht dauerhaft und seriös begleiten – dafür ist das Projekt schlicht zu groß, selbst wenn es noch so perfekt und rechtssicher vorbereitet ist.
Der digitale Feedbackbogen und die Planungen für die Begehungen sind damit hinfällig. Ich danke allen Gewerbetreibenden, Logistikern und Nachbarn, die im Vorfeld bereit waren, Zeit und Expertise einzubringen. Das zeigt, wie brennend das Thema nach wie vor ist.
Ich werde mich weiterhin mit voller Kraft ehrenamtlich engagieren – dort, wo wir im Kleinen und direkt vor Ort gemeinsam und unkompliziert etwas bewegen können.
Ihr
Karlheinz Grabmann

